Glas (Crystal)
Die transparente Scheibe, die das Zifferblatt einer Uhr abdeckt. Aus Acryl (Plexiglas), Mineralglas oder Saphir gefertigt — jeweils mit unterschiedlicher Kratzfestigkeit, Stoßfestigkeit und Wertimplikation.
Das Uhrenglas (international Crystal) ist die transparente Scheibe, die das Zifferblatt einer Uhr abdeckt. Drei Materialien dominieren die moderne Uhrmacherkunst, jedes mit eigenen Eigenschaften.
Acryl / Plexiglas
Wird auf den meisten mechanischen Uhren vor 1980 und heute auf vielen Vintage-Referenzen verwendet. Eigenschaften:
- Weich. Kratzt leicht; dieselbe Weichheit verträgt aber Stöße — es verformt sich, statt zu brechen.
- Polierbar. Leichte Kratzer werden mit PolyWatch oder vergleichbarem Kunststoffpolier-Mittel entfernt — eine Routineaufgabe der Vintage-Pflege.
- Warmer optischer Charakter. Verzerrt das Licht leicht und kuppelt sich, besonders auf stark gewölbten Vintage-Chronographen-Gläsern. Viele Sammler schätzen genau diesen Look.
- Günstiger Austausch. Ein neues Acrylglas für eine Vintage-Rolex oder -Omega kostet 15 bis 50 Euro inklusive Einsetzen durch den Uhrmacher.
Vintage-Rolex Submariner (5512, 5513), Vintage-GMT und Vintage-Daytona tragen alle Acrylglas. Tropic-artige Acrylgläser werden weiterhin hergestellt.
Mineralglas
Gehärtetes Standardglas. Ende des 20. Jahrhunderts auf Einstiegs- und Mittelklasse-Uhren verbreitet. Eigenschaften:
- Mittlere Kratzfestigkeit. Besser als Acryl, schlechter als Saphir.
- Bricht bei Stoß. Risse und Absplitterungen entstehen mit der Zeit.
- Günstiger Austausch. Ähnliches Preisniveau wie Acryl.
In modernen Luxusuhren ist Mineralglas selten und im High-End gar nicht vertreten. Die meisten aktuellen Schweizer Mittelklasse-Uhren (TAG Heuer, Tissot, niedrigere Seiko-Linien) sind auf Saphir umgestiegen.
Saphir
Synthetisches Einkristall-Saphir (Al₂O₃). Wird in nahezu allen modernen Luxusuhren verwendet. Eigenschaften:
- Extreme Kratzfestigkeit. Mohs-9-Härte; im Alltag können nur Diamant und einige exotische Schleifmittel Saphir kratzen.
- Spröde. Splittert oder bricht bei scharfem Stoß, anders als Acryl. Der Schaden ist im Eintrittsfall dramatischer.
- Teurer Austausch. Ein modernes Rolex-Saphirglas kostet im Service 120 bis 400 Euro. Komplexere Saphire (Datumsfenster, aufgesetztes Logo, Sonderform) liegen darüber.
- Optische Klarheit. Antireflex-Beschichtung wird bei modernen Uhren auf beiden Seiten aufgetragen; Vintage-Saphire hatten die AR-Schicht teilweise nur auf der Innenseite.
Warum der Glas-Typ in der Händlerpraxis zählt
- Vintage-Originalität. Eine 1970er-Submariner mit Saphirglas wurde umgerüstet (Service-Tausch). Das Original-Acrylglas ist verloren. Originalitätsorientierte Sammler ziehen entsprechend ab.
- Schadensbewertung. Ein abgesplitterter Saphir ist eine klare Wertminderung. Ein zerkratztes Acryl ist ein Polier-Vorgang mit minimaler Preisauswirkung.
- Kosmetik. Ein Käufer, der den Vintage-Look bevorzugt, akzeptiert (und mag) Acryl; ein Käufer, der auf Kratzfestigkeit setzt, will Saphir.
Service-Auswirkungen sind ebenfalls ausgeglichen: Ein beschädigtes Acrylglas auf einer Vintage-Rolex zu tauschen ist Routine. Ein beschädigter Saphir auf einer modernen Patek braucht ein Manufaktur-Servicecenter und 6 bis 10 Wochen Durchlaufzeit.
Verwandt: crown, cyclops-lens, water-resistance, polished.