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Lagersteine (Jewels)

Synthetische Rubin- oder Saphirlager, die an Reibungs- und Achspunkten in ein mechanisches Werk eingesetzt werden. Reduzieren Verschleiß, Reibung und Wartungsbedarf. Die Steinzahl (17, 21, 31 usw.) erscheint manchmal auf Zifferblatt oder Werk.

Lagersteine (international Jewels) sind synthetische Rubin- oder Saphirlager, die an Reibungs- und Achspunkten in einem mechanischen Werk eingesetzt werden. Sie senken Verschleiß, Reibung und Wartungsbedarf gegenüber blanken Metall-auf-Metall-Lagern.

Was Lagersteine leisten

Ein typisches mechanisches Werk hat rotierende Achsenden (die Enden der Rad-Triebachsen), die täglich vielfach drehen — das Sekundenrad einmal pro Minute, das vierte Rad und das Minutenrad langsamer, die Unruh-Achse 28.800 Mal pro Stunde. Stahl-Achsen in Stahl-Bohrungen würden schnell verschleißen. Harter synthetischer Rubin (Al₂O₃ mit Chrom-Verunreinigung, Mohs 9) ist einer der wenigen Werkstoffe, die härter als Stahl sind, und Rubin-Lager lassen Stahl-Achsen ohne messbaren Verschleiß über Jahrzehnte laufen.

Dasselbe Material — als synthetischer Kristall seit 1902 (Verneuil-Verfahren) hergestellt — wird auch für das Uhrenglas auf Premium-Uhren verwendet (siehe Glas); für Lagersteine wird der Rubin zu kleinen Präzisionslagern statt zu einer flachen Scheibe geformt.

Wo Lagersteine sitzen

Ein modernes mechanisches Werk trägt typischerweise 17 bis 31 Lagersteine verteilt auf:

  • Räderwerk-Achsen (Radenden-Lager). Jedes Rad nutzt zwei Steine (obere und untere Achslager).
  • Unruh-Achse mit zwei Steinen je Ende (plus Impulsstein am Rollenring und Hemmrad-Steine an der Ankerpalette).
  • Anker mit Endsteinen und Paletten-Steinen.
  • Hemmrad mit Achslagern.
  • Datums- und Komplikations-Räderwerke ergänzen weitere.

Die klassische Drei-Zeiger-Uhr ohne Komplikationen kommt auf etwa 17 Steine. Ein Chronograph bringt je nach Anordnung 4 bis 8 weitere. Ewige Kalender und Komplikations-Werke erreichen 50+ Steine.

Steinzahl und Qualität

Eine höhere Steinzahl bedeutet nicht automatisch ein besseres Werk. Innerhalb einer Preisklasse ist die Zahl überwiegend eine Funktion der Komplikation. Vergleiche:

  • ETA 2824-2 (Schweizer Standard-Automatik): 25 Steine.
  • Rolex Kaliber 3235 (modernes Submariner-/Datejust-Werk): 31 Steine.
  • Patek Philippe Kaliber 240 PS (Mikrorotor): 27 Steine.
  • Lange L901 (Lange 1): 53 Steine.
  • Patek Philippe Sky Moon Tourbillon Kaliber RTO 27 QR SI: 55 Steine.

Marketing-getriebene aufgeblähte Steinzahlen (etwa zusätzliche nicht-funktionale Schmucksteine) waren ein Problem der 1960er und 1970er und kommen in aktueller Produktion praktisch nicht vor. Moderne Steinzahlen sind funktional.

Hinweise für Händler

  • Funktionale Steine sind im Normalbetrieb unsichtbar. Ein Käufer sollte sich nicht allein durch hohe Steinzahl beeindrucken lassen.
  • Beschädigte Steine (abgeplatzt, gerissen) erfordern einen Werks-Service. Nur unter Lupe oder Mikroskop sichtbar.
  • Aftermarket-getauschte Steine in Vintage-Servicearbeit können ein Frankenwatch-Signal sein. Originalspezifische Rubinsteine altern gleichmäßig; Tausch außerhalb der Epoche unterscheidet sich leicht in Farbe und Finish.
  • Steinzahl auf dem Zifferblatt ist überwiegend eine Vintage-Tradition. Moderne Luxusuhren drucken die Steinzahl selten aufs Zifferblatt (Rolex, Patek, AP nicht; Omega und einige andere gelegentlich).

Verwandt: caliber, balance-wheel, escapement, mainspring.

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